Viewer für Strukturdateien
Wenn mit PDB-, mmCIF- oder Molekül-Dateien gearbeitet wird, stellt sich schnell die Frage:
Welcher Viewer ist für Schule und Fortbildung wirklich praktisch?
Wichtig sind dabei vor allem:
- browserbasiert
- kostenlos
- ohne Installation
- auch für Kolleg:innen gut bedienbar
Kurzempfehlung
Empfehlung für die Praxis
- Mol* = beste allgemeine Lösung zum Öffnen und Betrachten lokaler Proteinstrukturen im Browser
- 3Dmol.js = ideal, wenn Strukturen in eine eigene Website eingebettet werden sollen
- Frog2 = nützlich zur Erzeugung von 3D-Konformeren kleiner Moleküle, aber kein didaktisch komfortabler Viewer
1. Mol* – der Standardviewer für Proteine
Mol* ist derzeit die beste kostenlose Standardlösung, wenn Kolleg:innen einfach eine lokale PDB- oder mmCIF-Datei im Browser öffnen und betrachten möchten.
Stärken
- läuft direkt im Browser
- keine Installation notwendig
- lokale Dateien können geladen werden
- Proteine, Liganden und Oberflächen werden sehr gut dargestellt
- weit verbreitet, da auch von RCSB PDB und PDBe verwendet
Geeignet für
- Proteinstrukturen aus PDB
- Ergebnisse aus ColabFold
- spätere Betrachtung von Komplexen
Didaktischer Nutzen
- gut für Übersichtsdarstellungen
- geeignet für Struktur–Funktions-Beziehungen
- sinnvoll für SEK II, aber auch für motivierende Demonstrationen in SEK I
Link:
Mol* – Einstieg / Getting Started
Mol* – Startseite
2. 3Dmol.js – ideal für eigene Webseiten
3Dmol.js ist besonders dann stark, wenn man nicht nur betrachten, sondern selbst interaktive Viewer in eine eigene Website einbauen möchte.
Stärken
- frei nutzbar
- gut in HTML-Seiten integrierbar
- unterstützt viele Formate
- sehr flexibel für Unterrichtsprojekte
Geeignet für
- eigene Kursseiten
- interaktive Lernumgebungen
- individuelle Buttons und Workflows
- Vergleich von WT / Mutante / Ligand
Didaktischer Nutzen
- besonders gut für maßgeschneiderte Unterrichtstools
- ideal für deinen Ansatz mit PROTEINLABOR
Link:
3Dmol.js auf GitHub
3. Frog2 – gut für 3D-Konformer, aber nicht als Hauptviewer
Frog2 ist hilfreich, wenn aus SMILES oder 2D-Strukturen eine 3D-Konformation erzeugt werden soll. Für kleine bis mittlere Moleküle ist das eine interessante kostenlose Browserlösung.
Stärken
- browserbasiert
- kostenlos
- erzeugt 3D-Konformere
- akzeptiert u. a. SMILES
Schwächen
- kein wirklich komfortabler didaktischer Viewer
- eher Werkzeug zur Strukturerzeugung als zur Visualisierung
- für Schule allein meist nicht ausreichend
Didaktischer Nutzen
- gut als Vorschritt
- danach sollte die Datei in einem Viewer wie Mol* betrachtet werden
Link:
Frog2 Server
4. Praktischer Workflow für den Unterricht
Für Proteine
- Struktur aus PDB oder ColabFold
- in Mol* öffnen
- drehen, zoomen, Ligand betrachten
- ggf. Screenshot für Arbeitsblätter erstellen
Für kleine Moleküle
- Molekül in Frog2 als 3D-Struktur erzeugen
- Datei exportieren
- in Mol* oder in ein eigenes Tool mit 3Dmol.js laden
5. Fazit
Für den naturwissenschaftlichen Unterricht ist derzeit die sinnvollste Kombination:
- Mol* für das schnelle, kostenlose Betrachten von Strukturdateien
- 3Dmol.js für eigene interaktive Webseiten
- Frog2 für die 3D-Erzeugung kleiner Moleküle
Kurzfassung
Wer Kolleg:innen eine einzige Viewer-Empfehlung geben möchte, sollte aktuell Mol* nennen.
Wer eigene interaktive Tools baut, fährt mit 3Dmol.js am besten.