SÄUREN_LAB – Säuren in Lebensmitteln

Beispiel 1: Speiseessig – vom pH-Wert zur Lebensmittelanalyse

v0.4.2 · Phase 1–10 + Challenge-Serie kein Zwischenstand
1 · pH untersuchen
2 · Vermuten
3 · Messen
4 · Kurve
5 · ÄP annähern
6 · ÄP finden
7 · Indikator
8 · Planen
9 · Durchführen
10 · Auswerten

1. Ist Speiseessig sauer?

Auf der Flasche steht „5 % Säure“. Zuerst untersuchen wir nur den pH-Wert.

Speiseessig
5 % Säure
Probe
Auftrag: Bestimmt zunächst den pH-Wert möglichst so, wie ihr es mit einfachem Indikatorpapier tun würdet.

pH mit Indikatorpapier

2,0
2,5
3,0
3,5
4,0
4,5
5,0
5,5
6,0

Genauer nachmessen

—

Die Elektrode wird erst nach eurer eigenen Schätzung freigeschaltet.

Was sagt uns die Messung?

Welche Aussagen passen zur Probe?

Was können wir aus dieser pH-Messung über die Angabe „5 % Säure“ schließen?

Kurze Wiederholung

Exkurs: Wie funktionieren Indikatoren?
Indikatoren verändern ihre Farbe abhängig vom pH-Bereich. Ein Farbvergleich liefert meist nur einen ungefähren pH-Wert. Unterschiedliche Indikatoren besitzen unterschiedliche Umschlagsbereiche.
Exkurs: H₃O⁺ und OH⁻
Sauer: H₃O⁺ überwiegt. Basisch: OH⁻ überwiegt. Bei der Neutralisation reagieren Oxonium- und Hydroxidionen zu Wasser:
H₃O⁺ + OH⁻ → 2 H₂O.
Wichtig: Das Lab bewertet nicht nur „richtig“ oder „falsch“. Bei nicht passenden Antworten bekommt ihr einen fachlichen Hinweis und könnt erneut entscheiden.

2. Was passiert bei Zugabe von Natronlauge?

Essigprobe
Natronlauge
NaOH
Ausgangsfrage: Was erwartet ihr, wenn wir Natronlauge portionsweise zur Essiglösung geben?

Vermutung festhalten

Optionaler Exkurs: Neutralisation sichtbar machen

Die externen Simulationen sind freiwillig. Sie öffnen in einem neuen Tab.

Modellprobe

10,0 mL verdünnte Essigsäure

c ≈ 0,083 mol/L

NaOH: 0,100 mol/L

Die Größenordnung passt zum später geplanten Realversuch.

Äquivalenzbereich im Modell bei etwa 8,3 mL NaOH. Dieser Wert wird im Lernweg noch nicht als Lösung hervorgehoben.

3. NaOH portionsweise zugeben

Gesamtzugabe
0,0 mL
Der pH-Wert beginnt sich stärker zu verändern. Jetzt könnte eine feinere Zugabe sinnvoll sein.

pH-Messung

2,95

Nach jeder Zugabe wird gemischt, der pH-Wert neu berechnet und als Messpunkt gespeichert.

Messpunkte

noch keine Verbindungslinie

Messwerttabelle

Nr.V(NaOH) / mLpH

4. Aus Messpunkten wird eine Titrationskurve

Punktwolke

Punktwolke zuerst beschreiben

Beschreibt den Verlauf mit eigenen Worten, bevor ihr die Punkte verbindet.

Passt eure ursprüngliche Vermutung?

Noch keine Vermutung gespeichert.

Automatische Titration

Diese Option wird erst freigeschaltet, nachdem ihr die Messpunkte selbst erzeugt und verbunden habt.

5. Wo verändert sich der pH besonders stark?

Bereich selbst markieren

Klickt im Diagramm einmal auf den Beginn und danach auf das Ende des Bereichs, in dem der pH besonders stark ansteigt.

Noch kein Bereich markiert.

Warum jetzt feiner dosieren?

Warum waren die kleineren NaOH-Portionen gerade in diesem Bereich sinnvoll?

Äquivalenzpunkt

Am Äquivalenzpunkt wurde gerade so viel Natronlauge zugegeben, wie zur Neutralisation der vorhandenen Säure erforderlich ist.

Mehr dazu
Bei einer einprotonigen Säure wie Essigsäure entspricht am Äquivalenzpunkt die zugegebene Stoffmenge an NaOH der ursprünglichen Stoffmenge an Essigsäure.
mL NaOH

6. Äquivalenzpunkt leichter finden

Blendet nun eine Hilfskurve direkt in eure Titrationskurve ein. Sie zeigt, wo sich der pH-Wert am stärksten ändert.

pH-Kurve / Messwerte pH-Änderung · Hilfskurve

ÄP leichter finden

Änderung des pH-Werts pro zugegebenem Volumen · mathematisch: 1. Ableitung

Klickt im gemeinsamen Diagramm auf das Maximum der violetten Hilfskurve.

Wie gut war eure Schätzung aus Phase 5?

Wie entsteht die Hilfskurve?
Für diese Auswertung wird derselbe pH-Verlauf in sehr kleinen Volumenschritten betrachtet. Die pH-Änderung wird jeweils über ein kleines Volumenfenster bestimmt. Dadurch bleibt das Maximum gut erkennbar und hängt nicht davon ab, ob ihr zuvor in 1,0-, 0,5- oder 0,2-mL-Schritten dosiert habt. Die Hilfskurve ist eine Auswertungshilfe – keine zusätzliche Messung.
SEK II: Warum heißt das „Ableitung“?
Die Ableitung beschreibt hier, wie stark sich der pH-Wert pro kleinem Volumenschritt ändert. Wo diese Änderung am größten ist, besitzt die Hilfskurve ihr Maximum.

7. Welcher Indikator passt?

Umschlagsbereiche vergleichen
Bromthymolblau: etwa pH 6,0–7,6 Phenolphthalein: etwa pH 8,2–10,0

Entscheiden und begründen

Welchen Indikator würdet ihr für die reale Titration von Essigsäure mit Natronlauge bevorzugen?

Was würdet ihr beim Realversuch mit Phenolphthalein am Endpunkt beobachten?

Phasen 1–7 abgeschlossen.
Ihr könnt den virtuellen Lernweg jetzt auf eine reale bzw. realitätsnahe Essigprobe übertragen.

8. Den Realversuch planen

„5 % Säure“ entspricht größenordnungsmäßig etwas weniger als 1 mol/L Essigsäure. Unsere Maßlösung enthält 0,100 mol/L NaOH.

Warum titrieren wir nicht einfach 10,0 mL unverdünnten Speiseessig?

Exkurs: Warum ändert sich beim Verdünnen der pH-Wert, aber nicht die Stoffmenge?
Beim Verdünnen wird nur Wasser zugesetzt. In der gesamten verdünnten Lösung befinden sich danach noch genauso viele Essigsäure-Teilchen wie in den ursprünglich entnommenen 10,0 mL Essig – die Stoffmenge ist also gleich geblieben. Sie verteilen sich aber auf ein größeres Volumen; die Konzentration sinkt. Weil die Gleichgewichtslage und damit die Oxoniumionenkonzentration von der Konzentration abhängen, verändert sich auch der pH-Wert.

Wichtig: Entnehmen wir anschließend nur 10,0 mL der insgesamt 100,0 mL, nehmen wir natürlich nur ein Zehntel der dort enthaltenen Stoffmenge für die Titration heraus.

Probenvorbereitung ordnen

Klickt die fünf Schritte in der richtigen Reihenfolge an.

Eure Reihenfolge erscheint hier.

Verbrauch vorhersagen

Nach der 1:10-Verdünnung werden 10,0 mL Analysenprobe mit 0,100 mol/L NaOH titriert. Auch etwas säurereichere Speiseessige sollen noch in einem gut handhabbaren Bereich liegen.

In welcher Größenordnung erwartet ihr den Endpunkt?

mL

Unser Versuchsplan

Standardmethode
10,0 mL Originalessig → im 100-mL-Messkolben auf 100,0 mL auffüllen → mischen → 10,0 mL dieser Lösung als Probe entnehmen.
  • Maßlösung: 0,100 mol/L NaOH
  • Indikator: Phenolphthalein
  • erwarteter Verbrauch: etwa 8–12 mL
  • nahe dem Endpunkt fein dosieren
  • Endpunkt: gerade beständige, sehr schwache Rosafärbung
Sicherheit: Natronlauge ist ätzend. Im Realversuch nur unter Anleitung, mit Schutzbrille und nach den schulischen Sicherheitsvorgaben arbeiten.

9. Real durchführen, beobachten oder virtuell vertiefen

Der Realversuch ist optional. Wählt den Weg, der zu eurer Unterrichtssituation passt. Für die anschließende Auswertung benötigt ihr nur einen plausiblen NaOH-Verbrauch.

Direkter Trainingsmodus: Ihr seid ohne die Phasen 1–8 direkt in die Titrationschallenge eingestiegen. Für das vollständige Essigbeispiel bleibt der normale Weg über Phase 9 erhalten.

A · Selbst titrieren

Mit Kunststoffspritze oder klassisch mit Bürette.

B · Versuch beobachten

Später können hier die dokumentierten Spritzen- und Bürettenversuche direkt geöffnet werden.

C · Titrationschallenge

Die Bürette selbst bedienen, den Endpunkt erkennen und den Verbrauch eigenständig ablesen.

D · Im TITRATIONSTOOL

Die speziell dafür vorbereitete Brückenaufgabe TITR_A10 verwenden.

A · Eigenes Realexperiment

Spritzen-Titration

Halbquantitative Variante mit graduierter Kunststoffspritze.

Büretten-Titration

Genauere Laborvariante. Die Bürettenskala nimmt nach unten zu.

B · Versuchsvideo / Demonstration

Die beiden Videos werden nach der Aufnahme hier verlinkt. Bis dahin kann der beim Demonstrationsversuch beobachtete Verbrauch direkt eingetragen werden.

mL

C · Titrationschallenge – die Bürette selbst beherrschen

Hier liefert keine Ableitung den Äquivalenzpunkt. Ihr entscheidet selbst, wie schnell ihr dosiert, wann ihr auf Tropfenbetrieb umstellt und wann der Endpunkt erreicht ist.

Mittel

Bürettenhahn

Wie im Labor: zunächst darf es schneller gehen – nahe dem Endpunkt zählt die Feindosierung.

geschlossentropfenweiselangsamer Flussschneller Fluss
Aktuell: geschlossen
Beobachtung: Probe vorbereitet – zuerst den Anfangsstand der Bürette ablesen.

50-mL-Bürette · Teilung 0,1 mL · Ablesen auf etwa 0,05 mL. Die Skala nimmt nach unten zu.

V(Anfang) / mLV(Ende) / mLDifferenz = Verbrauch / mL

Beobachtungshilfen

Aktueller pH-Wert
–
Mitlaufende Messpunktekeine Verbindungslinie
Worauf achten?
Besonders kurz vor dem Endpunkt können beim Auftreffen einzelner NaOH-Tropfen rosa Schlieren entstehen, die beim Rühren wieder verschwinden. Je länger sie bestehen bleiben, desto vorsichtiger solltet ihr weiterdosieren.

Auswertung des Einzellaufs

Endpunkt–/ 70
Ablesen–/ 20
Dosierstrategie–/ 10
Gesamt–/ 100
Meniskus-Zoom mit Schellbachstreifen
Am tiefsten Punkt des konkaven Meniskus ablesen.
Denkhilfe: Bei einer Bürette nehmen die Zahlen nach unten zu. Zwischen zwei 0,1-mL-Teilstrichen kann auf etwa 0,05 mL geschätzt werden.

D · Im großen TITRATIONSTOOL

Verwendet die eigens dafür vorbereitete Brückenaufgabe „SÄUREN_LAB – Essigprobe: NaOH-Verbrauch bestimmen“.

Die Einstellungen passen bereits: 10,0 mL verdünnte Essigprobe, 0,100 mol/L NaOH und Phenolphthalein. Die Probenkonzentration bleibt unbekannt. Im TITRATIONSTOOL soll nur V(NaOH) am Äquivalenzpunkt bestimmt werden – die gesamte Auswertung folgt anschließend hier im SÄUREN_LAB.
Brückenaufgabe im TITRATIONSTOOL öffnen
mL

10. Vom NaOH-Verbrauch zu „5 % Säure“

Messwert aus Phase 9: —

Was gilt am Äquivalenzpunkt?

Rechengang

1verdünnte Probe
mol/L
2Originalessig
mol/L
3Essigsäure
g/L
4Etikett
g/100 mL

Jeder Schritt wird erst nach eurer eigenen Eingabe kontrolliert.

10B · Konzentration der verdünnten Probe

Für Essigsäure und NaOH gilt hier am Äquivalenzpunkt ein Stoffmengenverhältnis von 1 : 1.

c(Säure) · V(Säure) = c(NaOH) · V(NaOH)

Bekannt: V(Säure) = 10,0 mL, c(NaOH) = 0,100 mol/L, V(NaOH) = —.

Welche Größe suchen wir in diesem Schritt?

Welche Umstellung ist richtig?

mol/L

10C · Verdünnung rückgängig machen

10,0 mL Originalessig wurden auf 100,0 mL aufgefüllt. Die Konzentration wurde also auf ein Zehntel verringert.

Wie erhält man die Konzentration des Originalessigs?

mol/L

10D · Von mol/L zu g/L

Molare Masse der Essigsäure: M = 60,05 g/mol

Massenkonzentration = c · M
g/L

10E · Von g/L zur Etikettangabe

Wie kommt ihr von g/L zu g pro 100 mL?

g/100 mL ≙ % Säure

10F · Etikett und Messwert vergleichen

Etikett
5,0 % Säure
Unser Ergebnis
—

Wie beschreibt ihr den Vergleich?

Denkanstöße zu möglichen Unsicherheiten
Volumenablesung · Verdünnung · Endpunkterkennung · Tropfengröße · tatsächliche Konzentration der Maßlösung · Verluste beim Überführen · subjektive Wahrnehmung der Rosafärbung

10G · Abschluss-Erkenntnis

Was konnten wir mit der Titration herausfinden, was die anfängliche pH-Messung nicht zeigen konnte?

Vom pH-Wert zur Lebensmittelanalyse

pH messen → sauer erkennen → Neutralisation untersuchen → Messreihe aufnehmen → Titrationskurve entwickeln → Äquivalenzpunkt bestimmen → NaOH-Verbrauch auswerten → Säuregehalt bestimmen → Etikett überprüfen.

Titrationschallenge

Neben dem Einzellauf steht nun auch die Serie aus 1 Orientierungstitration + 3 Bestimmungen zur Verfügung. Der Serienmodus bewertet erst nach Auswahl der Messwerte und Abgabe des selbst berechneten Mittelwerts.